Über diesem Bau lagen der Ottilienstollen, das Alte Kreuz, sowie ein Dutzend weiterer Anlagen.
Die unterfahrenden Stollen wurden prinzipiell mit bergein ansteigender Sohle vorgetrieben.
Dadurch konnten Grubenwässer leichter abfließen und die gefüllten, somit schweren Truhen (Grubenhunte) konnten abwärts, die leeren Karren aufwärts, leichter bewegt werden.

Der Oberstollen gehörte mit dem eben besuchten Wolfgangstollen, dem Tiefen- und dem Martinhüttstollen, St. Johann, Heilig Kreuz, Herrengrube und dem Herzog Sigmund Erbstollen zu den sogenannten „tieferen Bauen“.
Diese Bezeichnung stammt aus der Tatsache, dass am Falkenstein die ersten Stollen in einer Höhe um 1.100 m ü.M. in der Gegend von Kogelmoos angeschlagen worden sind.
Nach der Sage hat um 1409 hier die Magd Gertraud Kandlerin beim Viehhüten beobachtet, wie ein Stier mit seinen Hörnern eine Erzader freigelegt hat. Tatsächlich gab es dann am Falkenstein die Gruben „Kandlerin“ und „St. Jakob am Stier“.

Der Beginn des Bergbaues ist hier auf alle Fälle in die Jahre zwischen 1410 und 1420 zu setzen und begann hoch oben in den Felsen des Eiblschrofens. Es ist naheliegend, dass „Prospektoren“ die Erzausbisse – ihr Erscheinen an der Oberfläche – an Hand der auffälligen Kupferverbindungen Azurit und Malachit in der Felswand entdeckten. Es hat dann sicher 10 Jahre gedauert, bis man durch immer größere Erzaufschlüsse zur Erkenntnis kam, dass hier ein unermesslicher Silberschatz zu gewinnen war.
Die „hohen Baue“ „am Lux“, „am Stier“ und „beim Grafen“ zählen auf alle Fälle zu den ältesten (lt. Dr. Erich Egg).
Um 1460 wurden die Reviere „Koglmoos“, die obere Felszone („Silbertür“, „Helferin“) und 1470 das Band unterhalb des „Grafen“ und nach 1480 die Baue im unteren Waldgebiet – „Oberstollen“, „Nicolai“, „Unterstollen“ usw., eben die „tiefen Baue“ angeschlagen.

1491 eröffnete Erzherzog Sigmund persönlich in der Talsohle den „Sigmund Erbstollen“; das heutige Schaubergwerk.

Im Jahre 1515 standen am „Falkenstein“ 274 Gruben in vollem Betrieb.
Je weiter sich die Bergbautätigkeit ins Tal verlagerte, desto länger wurden die Zulaufstrecken zum erzführenden Dolomit.
Damit wuchsen die Betriebskosten und Investitionen stark an, der Mehraufwand musste durch intensivere Schürftätigkeit ausgeglichen werden.
Für die Knappen war lediglich der kürzere tägliche Anmarschweg von Vorteil.

Dr. Max Ciresa

Truhenläufer (Schwazer Bergbuch, 1556)