10. Juli 1999: Ein Tag wie jeder andere?
Mitnichten – um 16.40 Uhr ging am Eiblschrofen ein Felssturz nieder.
150.000 Tonnen Gestein donnerten talwärts und weitere folgten.
Ausgerechnet im Jahr, in welchem Schwaz den 100. Jahrestag der Stadterhebung feierte, schickte der Eiblschrofen diese unliebsamen Grüße ins Tal. Da sich die Ausläufer des Felssturzes bis knapp 100 Meter ans Siedlungsgebiet schoben und weitere Abbrüche (die sich dann auch ereigneten) den Ortsteil Ried bedrohten, wurde dieser noch in der Nacht evakuiert.

286 Schwazer mussten ihre Domizile räumen, das Gebiet wurde weiträumig gesperrt und die darin befindlichen Betriebe mit Arbeitssperre belegt. Auch die Montanwerke mussten den aktiven Bergbau einstellen und haben seither keine Genehmigung, diesen wieder aufzunehmen.
Schwaz ist seither keine „Knappenstadt“ mehr.

Erst am 3. November 1999 konnten die letzten der 286 Evakuierten in ihre Wohnungen bzw. Häuser zurückkehren.
In Rekordzeit sind noch im Jahre 1999 von der Wildbach- und Lawinen-Verbauung zwei Schutzdämme, 25 bzw. 15 Meter hoch, aufgezogen worden.
Zum Vergleich: Würde man einen Zug mit dem Schüttmaterial der beiden Dämme beladen, hätte dieser Zug eine Länge von 300 Kilometern.

Als weitere Schutzmaßnahme wurde am Zintberg ein Schutznetz aufgezogen. Der Eiblschrofen wurde in der Folge, fortlaufend elektronisch kontrolliert, zum bestüberwachten Berg Europas.

Bereits am 2. Mai 1993 war auf der westlichen Schulter des Eiblschrofens ein fast zwei Hektar großes Waldstück eingebrochen. Als Folge dieses „Pingenfalles“ stürzte ein Teil des darunterliegenden Dolomit-Abbaues ein – glücklicherweise ohne Menschenopfer.
Das Schaubergwerk war von diesem Ereignis nicht betroffen, es gab aber bereits damals Überlegungen, den Dolomitabbau zu stoppen.

Peter Hörhager