Das Jahrzehnt von 1490 bis 1500 brachte am Falkenstein eine Steigerung der Silberproduktion auf insgesamt 129.000 kg.
Das in den Bauen gebrochene Gestein wurde von den „Scheidern“ händisch zerkleinert und aussortiert.
Diese sehr mühselige Tätigkeit wurde ab dem Jahr 1500 durch große, mit Wasserkraft betriebene Stampfwerke, sogenannte Pocher besorgt. Das dadurch gewonnene Erzkonzentrat hat man mit Fuhrwerken zu den Schmelzhütten gebracht. Solche Schmelzhütten bzw. Hüttwerke standen im 15. Jh. am Lahnbach beim Schlaghaufenplatz (Schlackenhaufen) in Schwaz sowie an den Bächen in Pill, Stans, Jenbach und Vomperbach.

Die Gewerken, die das Schmelzen in Eigenregie betrieben, besaßen je nach ihrer Bedeutung eine kleinere oder größere Zahl an Schmelzanlagen mit Treib- und Saigerherden, die zu einem kompletten Hüttwerk gehörten.
Das Wasser der Bäche diente zum Antrieb der Blasebälge, die mit ihrem Wind die nötigen hohen Schmelztemperaturen gewährleisteten, die durch Verwendung von Holzkohle allein nicht erreicht werden konnten.

Das Saigerverfahren

Das Erzmaterial wurde zunächst in einfachen, offenen Röstöfen geröstet und damit der enthaltene Schwefel verdampft.
Anschließend kam das Erz in die Öfen.
Meist standen bis zu sechs solcher Schmelzöfen nebeneinander unter einem gemeinsamen Dach.
Sie waren viereckig, aus Bruchsteinen aufgebaut und innen mit Lehm ausgekleidet. Durch eine Röhre an der Rückseite wurde die Blasebalgluft zugeführt. Der Ofen wurde schichtweise gefüllt: Zuunterst die Holzkohle, darüber Schlacken aus früheren Schmelzvorgängen, dann das Erz und darüber Blei und andere leicht Schmelzbare Metalle, schließlich wieder Kohle und Schlacken.
Dann wurde der Ofen gezündet.
Das flüssige, geschmolzene Metall kam durch ein Loch in den sog. Vorherd, wo es nochmals mit Blei vermischt wurde und zu Fladen erkaltete. Diese kamen in den Saigerherd, einem offenen und von unten beheizten Herd und wurden erneut geschmolzen.
Durch eine schräge Rinne floss die Blei-Silberlegierung in einen eigenen Vorherd ab, während das Rohkupfer als löcheriger Fladen zurückblieb. Diese Kupferfladen wurden gehämmert, um das anhaftende Blei zu entfernen, dann in kleineren Raffinerieöfen nochmals durchgeschmolzen, bis das handelsfähige Rohkupfer übrigblieb.
Die Blei-Silber-Mischung kam aber in den Treibherd, eine offene Mulde und darunter entfachte man ein Feuer.
In der Hitze oxidierte das Blei zu roter Mennige, die man mit Kratzern immer wieder von der Schmelzmasse abzog, bis schließlich das Silber zum Vorschein kam: der sogenannte „Silberblick“.
Dieses „Brandsilber“ kam dann zum Silberbrenner, dem staatlichen Beamten, der daraus durch Zusatz von Pottasche und Soda das Feinsilber auf 950/1000 Feingehalt herausbrannte.
Dieses wurde gewogen und mit einer Punze versehen.
Das Fahlerz vom Falkenstein lieferte auf 100 kg Kupfer 1,25 kg Silber.

Dr. Erich Egg

Der Silberbrenner (Schwazer Bergbuch, 1556)