Bei der Anlage des Herzog Sigmund Erbstollens hat man bemerkt, dass senkrecht in der Tiefe besonders ertragreiches Fahlerz anstand.
Daher beschloss man 1515 hier in die Tiefe zu schürfen (einen Tiefbau anzulegen).
Man grub einen großen Schacht, der in neun Abbaugängen (Ebenen) schließlich 237 m tief unter die Talsohle reichte. Trotz bedeutender Ausbeute verschlang gerade dieser Schachtbau riesige Summen an Betriebskosten, da man laufend eindringendes Grundwasser ausschöpfen musste.
600 Wasserschöpfer arbeiteten Tag und Nacht.
Wegen dieser sehr harten und zudem ungesunden (nassen) Arbeit dauerte ihre Arbeitszeit nur
4 Stunden; man arbeitete also in sechs Schichten – auch an Sonn- und Feiertagen.
Diese aufwendige Wasserhaltung kostete pro Woche fast 400 Gulden. Dabei wurden die mit Wasser gefüllten Ledereimer von Mann zu Mann weitergegeben: die Bergleute bildeten im Schacht eine ähnliche „Eimerkette“, wie sie einst bei der Brandbekämpfung zur Anwendung kam.

Während der Jahrzehnte dauernden Streckenvortriebes entstand in diesem Tiefbau ein Streckennetz, das fast 7 km Länge erreichte.
Im Verlaufe des Abteufens wie auch in der ersten Betriebszeit der Sohlenvortriebe musste das taube Gestein wie auch die anfallenden Erze durch den Schacht emporgehoben werden.
Dazu diente eine am Schaftkopf aufgebaute, starke, von Bergleuten (den Hasplern) angetriebene Haspel (s. Abb.).
1537 kam es im Schacht zum ersten Einbau einer „Wasserkunst“, also einer der Wasserhebung dienenden Maschine. Über ihren Bau wissen wir so gut wie nichts. Sie schien aber nicht viel getaugt zu haben. Man musste sogar die beiden tiefsten Läufe absaufen lassen.
Stattdessen erfolgte der Einbau hölzerner Pumpen, die durch Muskelkraft betrieben werden mussten. 240 Arbeiter wurden für ihre Betriebe benötigt.

Erst 1554 kam es dann zum Bau des riesigen, von Wasserkraft betriebenen Kehrrades durch den Werkmeister Lasser aus Salzburg.
Dieses Werk war durch 50 Jahre als Schwazer Wasserkunst wie eine Art Weltwunder das Ziel vieler Reisenden.
Ein riesiges, oberschlächtiges Wasserrad zog in großen Ledersäcken, die 1400 Liter Inhalt fassten, ununterbrochen Wasser in die Höhe. Zur Bedienung benötigte man nur zwei Mann.
1609 wurde dieses Wunderwerk, die „alte Kunst“, durch ein zweites Pumpwerk verstärkt.
Trotzdem konnte der Wasserandrang nicht mehr bewältigt werden, sodass 1615 der ganze Schachtbetrieb im Erbstollen eingestellt wurde.

Gleichzeitig mit dem Tiefbau wurden in den Jahren 1512 bis 1520 sechs neue, große Pochwerke für die „tieferen Baue“ errichtet.
Das dazu nötige Wasser hat man dem Bucherbach entnommen und über einen Kanal („Rinnwerk“) zunächst den Pochern zugeführt und schließlich durch den Unterstollen zur Wasserkunst geleitet.

Alle diese maschinellen Verbesserungen belegen die Ausweitung der Produktion im Sinne einer modernen Montanindustrie und sind zugleich Zeugnisse eines bisher viel zu wenig beachteten technischen Hochstandes vor 500 Jahren.

Dr. Peter Gstrein

Haspler (Schwazer Bergbuch, 1556)